Vielleicht lag es ja am maroden Dach des Stadthauses, das dringend saniert werden müsste. Weil Wassers durch die Decke tropfte, wurde die Sitzung in die Kantine verlegt. Dort fasste der Rat den Beschluss, einen weiteren Standort für das Festspielhaus zu prüfen: Als Anbau der baufälligen Beethovenhalle (Reparaturkosten: bis zu 30 Millionen Euro – bisher).

Bislang war als Standort ein Gebiet irgendwo in den Rheinauen, nahe des Blindengartens, auserkoren gewesen. Genaueres weiß man nicht, obwohl es seit 2007 den Beschluss eines Festspielhauses gibt. Das wo und wie aber blieb in den letzten sieben Jahren ein Hin und Her. Klar war nur: Der Bau (75 – 100 Millionen Euro) wird durch private Sponsoren finanziert. Die Post will 30 Millionen beisteuern. 2020, wenn Beethoven jubiliert, muss die Festhalle fertig sein.

Es bahnt sich ein neuer Blindflug an. Egal, welche Möglichkeiten man am Ende realisieren möchte, ein neues, teures Fiasko ist unter den Bedingugnen zu erwarten. Die zwei großen Gründe:

1.) Der politische Wille: Es muss passieren.

Das wie ist zweitrangig. Ähnlich wie bei BER oder der Elbphilharmonie scheint das Projekt von der Politik inzwischen durchgepeitscht zu werden, mit glänzenden Augen und ohne Sinn für Realität. Irgendwer wird es schon finanzieren. Private Investoren. Wie beim WCCB. Kostet die Stadt gar nichts. Das wird noch verstärkt duch:

2.) Die fehlende Zeit

In sechs Jahren soll die Halle stehen. Noch gibt es allerdings weder einen Entwurf, noch einen Architekturwettbewerb, noch einen Bauplatz, noch einen Bauplan, noch eine Ausschreibung. Es gibt keine Vorlagen, aber es soll fix gehen.

Bedenkt man, dass es Rat und Verwaltung in fünf Jahren nicht geschafft haben, das Planschbecken im Römerbad zu erneuern, bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Bedenkt man, dass die Koalition in Bonn derzeit lieber zulässt, dass der Kämmerer durch Haushaltssperre spart, anstatt einen Nachtragshaushalt zu verabschieden, kann man nur noch nach Luft japsen.

Wer weiß, ob nicht jeder Ratsbeschluss, sei es nur zum Umbau einer Straße an der Halle, sofort durch den Kämmerer gekippt wird? Von privaten juristischen Einsprüchen ganz zu schweigen. Denn ein Anwohner wird sicher klagen. Nicht nur wegen Lärmbelästigung durch Konzerte in der Halle. Und dass man sich da als Stadt nicht hinweg setzen kann, zeigt ein Bau an der Friedrich-Breuer Straße. Baustopps sind da vorprogrammiert.

Weitere Bonner Beispiel? Man muss gar nicht auf das Bonner Loch verweisen, oder das Viktoriakarree, oder das Nordfeld. Bei deutlich  kleineren Projekten wie beim „Haus der Bildung“ (Kosten: Rund 21 Millionen Euro) dauert der Bau seit dem Ratsbeschluss 2007 bis heute an. Das alte Stadthaus ist wie die Beethovenhalle denkmalgeschützt.

Natürlich mag die Kombination mit der Beethovenhalle der beste Schritt gewesen sein, und natürlich wäre ein Festspielhaus für Bonn gut gewesen. Man hätte beim Umbau der maroden Halle Geld gespart und mehrheitlich privates Geld genutzt. Man hätte ein Mehr für weniger Zaster bekommen – perfekt.

Aber nicht mehr. Erst raubte das WCCB-Desaster dem Rat jeden Mut. Und die Wende jetzt kommt zu spät. Und was man aus den Bauskandalen der letzten Jahre lernen konnte: Große Bauprojekte sollte man nicht über das Knie brechen. Bis 2020 ein Festspielhaus – dafür ist es zu spät.