Bonn – Nach zwei Jahren mühevoller Debatten und zweifelnder Ratsmitglieder wurde es gestern beschlossen: Freies und kostenloses WLAN, welches nicht durch Konzerne gesteuert und gekappt wird, Informationen für Köln/Bonner bietet und mehr ist als nur Internet, soll durch Freifunker-Bewegungen in allen städtischen Gebäuden installiert werden. Bislang war ja nach 30 Minuten Telekom-Internet Schluss mit Neuland in einer Stadt, die es sich in der analogen Bundeshauptstadtromantik bequem gemacht hat.

Die Gründe des jetzt beschlossenen Antrags lesen sich im Text deutlich heraus: Erstaunt stellten die Ratsmitglieder der Jamaika-Koalition offenbar fest: “Die Stadt Bonn liegt beim Thema Freifunk hinter anderen Städten weit zurück. Viele Gemeinden um Bonn herum fördern inzwischen die Freifunk-Initiativen aktiv und tragen somit zu einer deutlichen Attraktivitätssteigerung der Innenstadt sowie den öffentlichen Liegenschaften wie den entsprechenden Ämtern bei.”

Zudem hat die Ratsmehrheit erkannt, dass sogar die Landesregierung darauf drängt – und fördert!

Doch es geht nicht nur um eine bessere und digitalere Stadt Bonn.

Vielmehr klang in der Debatte auch an, dass Flüchtlingsunterkünfte (und weitere sozial schwache Gebiete) primär gefördert werden sollen. Der Gedanke lässt hoffen: Denn damit würde auch in Bonn klar, dass Internet, wie Strom, Wasser, Nahrung und ein warmes Dach über dem Kopf, für eine Teilhabe am öffentlichen und sozialen Leben Grundvoraussetzung ist.

Wie lange es noch dauert, bis das Netzwerk flächig zur Verfügung steht, ist noch nicht ganz abzusehen. Sechs Monate wird es dank einiger Prüf-Vorgaben vom Rat an die Verwaltung wohl noch dauern. Dann aber können die Bonner Freifunker und Unterstützer loslegen.

Warum die Entscheidung wichtig ist – Kommentar

Wenn alle städtischen Gebäude Freifunk anbieten, fällt zudem eine Schranke für Private, Betriebe, Kneipen, Gaststätten und Geschäfte: Sie werden leichter zu überzeugen sein, dass es rechtlich problemlos geht (solange die Bundesregierung von ihrem Schmu-Gesetzesentwurf abrückt), dass es einfach umzusetzen ist und kaum Geld kostet.

Es wäre ein Signal an alle Bonner Unternehmer und auch Privatpersonen, mitzumachen, und das Netz attraktiver zu gestalten. Und bricht das Monopol der Telekommunikationsunternehmen, die sich jedes Megabyte Internet mit viel Geld bezahlen lassen.

Ein kleines Zitat zum Lachen am Schluss:

“Mit dieser Initiative wird Bonn wieder einen Schritt nach vorne in Richtung fortschrittlicher Stadt gehen. Mit den Initiativen der Bürgerbeteiligung, der elektronischen Partizipation sowie als Provider für Open Data würden die
Stadt Bonn einmal mehr ihre Fortschrittlichkeit unterstreichen.”
Jede Reise startet bekanntlich mit dem ersten Schritt.