4000 Euro bezahlte die Stadt einer Gutachterin. Diese sollte die Marktlage für den Verkauf des maroden Kurfürstenbads prüfen. Die Gutachterin ist keine Unbekannte. Kim Adam von Adam & Partner fertigte bereits vor zwei Jahren das schonungslose Bädergutachten an, dass der Politik nur zwei Handlungswege ließ: Weiter so wie bisher und damit in Kauf nehmen, dass man bald viel Geld und teure Sanierungen für einen schlechten Status-Quo bezahlen müsste. Oder ein Neubau und eine Schließung von drei Bädern, darunter, präferiert, auch das Kurfürstenbad.

Der Rat entschied, das Gutachten zu ignorieren, führte noch eine Bürgerbefragung durch. Die entschied mehrheitlich: Neues Bad bauen, schließt das Kurfürstenbad.

Doch die Politik glaubte, für den maroden Bau aus dem Jahr 1964 noch einen Investor finden zu können. Was dann passierte, zeugt von dem schwierigen Verhältnis zwischen Politik und Verwaltung.

Um den Anschein zu vermeiden, man würde nicht intensiv selbst nach einem potentiellen Investor suchen, der den Standort vermarktet, beauftragte man die Gutachterin, und zahlte dafür 4000 Euro . Spitz gesagt glaubte man der Stadt offenbar, dass dies nötig sei, da es ansonsten heißen könnte, die Stadt wolle die Vermarktung gar nicht oder arbeite schlecht.

Diese zugeschriebene Unfähigkeit findet sich bereits bei einem anderen Fallbeispiel: Dem Planschbecken im Römerbad. Heute Abend entscheidet der Rat darüber, das Becken erneut auszuschreiben. Diesmal allerdings vertraut man hoffentlich der Verwaltungsvorlage. Man sollte schon davon ausgehen, dass die Beamten in der Stadt wissen, was Marktpreise für Bauprojekte sind.

Immerhin hat das Gutachten eine deutliche Kernaussage: Bonn sei für private Bäderbetreiber durchaus attraktiv. Aber: Dieses Bad ist nahezu unverkäuflich, weil unwirtschaftlich. Es stört der Denkmalschutz.

Und: Ohne ein Gesamtkonzept für eine Bonner Bäderlandschaft werde kein Investor oder Betreiber je in ein solches Bad oder diesen Standort investieren. Weil er sonst möglicherweise mit einem Spaßbad in der Innenstadt konkurrieren müsste, das vielleicht irgendwann doch entsteht.

Heißt im Klartext: Der Rat muss ein funktionierendes Bäderkonzept abliefern. Noch deutlichere Worte fand die Gutachterin am Schluss: Sie von einem „Markterkundungsverfahren“ dringend ab, „da dieses nicht zu grundsätzlich anderen Erkenntnissen führen wird.“

Eine gute Seite hat dies aber: Wenn die 4000 Euro den Politikern zur Entscheidungsfindung helfen, kann Bonn zufrieden sein.