Aktuell schließt eine große Bonner Tageszeitung ihre Druckerei, um fremddrucken zu lassen. Sie werden wirtschaftlich sicherlich gute Gründe dafür haben, die man zwar nicht verstehen muss, aber man ist ja auch kein Verlagsbetriebswirt.

Viel interessanter ist das Vorgehen der Demonstranten. So gab es mehrere, unter anderem auch in der Innenstadt. Auch auf Facebook demonstrierten offenbar Arbeiter oder Gewerkschafter, wenn auch Privat, posteten mehr oder minder fleißig Berichte in diversen Gruppen. Auf Ver.di Bezirk Köln gab es nichts zu lesen, eine Bonner Seite gibt es offenbar nicht. Die Gewerkschaften koordinieren Streiks offenbar noch nicht mit sozialen Medien vor Ort.

Die Frage aber ist: Wie präsent müssen heutzutage Streiks im Internet, sprich, auf Facebook sein? Wenn man eine Druckerei lahm legt, müsste man nicht auch den Facebook-Auftritt der Zeitung bestreiken, etwa durch Kommentare unter den Artikeln? Ist das legitim?

Denn Leser, die Zeitungen nur noch im Netz lesen, bekämen ja sonst gar nichts mit (vielleicht auch ein Grund, warum man weniger Druckerei braucht?)

Der Streik 2.0 steckt offenbar noch in den Kinderschuhen. Doch das Ziel eines Streiks und von Demos, Aufmerksamkeit für ein Anliegen zu finden und zu zeigen, dass man Teil des Unternehmens ist, müsste heutzutage doch auch im Internet und auf sozialen Medien präsent sein.

Übrigens ist es kein vernünftiger Weg, eine eigene Druckerei zu schließen, nur um dann fremd, will heißen: ohne Tarifbindung, drucken zu lassen. Aber das ist eine andere Geschichte.