Endlich isses soweit! Die Bürgerbefragung, die man 2013 aus Kostengründen auf eine nichtrepräsentative Telefonbefragung herunterkorrigierte, wird jetzt nachgeholt. Und das ist gut, gleich was es kostet.

Die Bonner Bürger stimmen darüber ab, ob sie das Bäderkonzept, wie es der Rat jetzt vorschlägt (Neubau Zentralbad, Ende Kurfürstenbad) möchten, oder lieber alle maroden Bäder teuer sanieren und mit den Folgen leben wollen, wie sie im Bädergutachten geschildert werden: Teure Sanierung, steigende Preise, gleiches Angebot wie 1960).

Frappierend ist aber eine Argumentationslinie, die sich in letzter Zeit öfters zeigt. Das Kurfürstenbad, dass seit 2013 zur Schließung freigegeben ist, müsse alleine deshalb erhalten bleiben, weil eine omniöse Kraft die Bürger übergangen hat.

Es gibt keine Verschwörungen

In der Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft ist die Schließung von Bädern nur ein Baustein. Es gibt keine Verschwörung, bei der das Kurfürstenbad plötzlich gewollt kaputtgegangen ist. Es ist kaputtgegangen, weil seit zehn Jahren über Bäderschließungen debattiert wird und deshalb Wartungen nicht vorgenommen wurden. Und eine Instandsetzung jahrzehntealter schlecht gewarteter Bäder ist nunmal unwirtschaftlich.

Die Bonner Bäderlandschaft ist im Vergleich mit anderen Kommunen deutlich zu groß und teuer.

Wer jetzt eine plötzliche gesamtstädtische Neukonzeption fordert, weil er in den letzten Jahren nicht aufgepasst hat, kann das gerne tun. Aber die Argumente und die Kosten dafür haben sich in den Grundzügen nicht geändert. Der Erhalt aller vier Stadtteilhallenbäder wäre nur machbar, wenn jedes Bad für einen Millionenbetrag saniert wird. Attraktiver werden sie dadurch aber nicht. Und kostengünstiger im Betrieb im Vergleich zu dem einen zentralen Neubau auch nicht.

Gesundheitsstandort Godesberg

Wer im Übrigen den Gesundheitsstandort Godesberg mit dem Kurfürstenbad verbindet, der muss schon viel Hallenbadwasser geschluckt haben. Der Kurfürst schwamm nie im Kurfürstenbad.  Es hat ein Funktionsbecken mit kleiner Sauna, die kaum besucht wurde. Und war schon 2010 unattraktiv. Damals wurde übrigens jeder der 60.000 Gäste mit rund 7 Euro bezuschusst, so der General-Anzeiger Bonn. Inzwischen sind es nur noch 53.665 Gäste, die mit 11,47 Euro pro Person bezuschusst werden.

Auch den Titel Bad wird Godesberg nicht verlieren. Den trägt es laut Bezirksregierung NRW sowieso nur noch aus historischen Gründen.