Bonn – Die Ratskoalition aus CDU, FDP und, ja, Grüne hat offenbar erneut verzichtet, eine 30 Prozent-Quote für Sozialwohnungen bei Neubauten einzuführen, berichtet LINKEN-Ratsherr Michael Faber.

Richtig so. Wenn jede dritte neugebaute Wohnung für arme Schlucker wäre, würde das nur zu großen Probleme für die, ja, gar Verwerfungen in der Stadtgesellschaft führen.

Zum Beispiel zu sozialem Unfrieden. Stellen Sie sich mal vor, sie leben mit ihrer vierköpfigen Familie in einer Schimmel-Wohnung in Bonn-Tannenbusch, weil sie seit Jahren nichts bezahlbares finden. Und sehen dann, wie eine genauso einkommensschwache Familie wie sie es sind, eine schicke Neubau-Penthousewohnung mit Rheinblick für den selben Betrag bekommt, nur weil sie gerade Glück gehabt hat. Da wäre sozialer Unfrieden vorprogrammiert. Das kann man nicht wollen.

Und überhaupt. Wie würde sich so eine Familie fühlen, die 2000 Euro netto im Monat hat, überhaupt fühlen, wenn sie neben DINKs (Double Income – No Kids) oder DInOKs (Double Income, One Kid) wohnen würden? Wenn der alte Astra, Baujahr 2004 ohne Rückfahrkamera, neben den schicken BMW X5ern steht? Das wäre ja ein Kulturschock, ja fast demütigend. Sie müssten ja, täglich ihre eigene Armut vor Augen geführt, ins selbe Haus schleichen. Wer will schon so leben?

Man könnte ja auch gar nicht mit den Nachbarn sprechen. Worüber auch? Ich meine, die einen fahren dreimal im Jahr in Urlaub (Kanaren), die anderen überlegen, ob sie einmal im Jahr in den Tierpark (Waldau) fahren. Geht gar nicht. Die einen verdienen Kohle, die anderen verdingen sich in Callcentern. Soziale Kontakte hätten diese armen Schlucker nicht.

Nein, soziale Durchmischung schädigt nur die Kinder und die Erwachsenen dadurch auch. Sie würden zu einem schlechten Beispiel für ihren Nachwuchs. Und wer will schon von der eigenen Brut hören, warum man so arm sei?

Vielmehr sollte man darauf hoffen, dass die Bauunternehmer von sich aus so nett sind und günstigen Wohnraum in ihren Luxusbauten schaffen. Oder überhaupt irgendwo. Wann hat es denn jemals nicht geklappt, darauf zu setzen, dass jemand freiwillig Geld verschenkt? Man wird schon mit den Bauherren gemeinsam eine Lösung finden, glaubt man bereits seit 2015. Oder dass die Unternehmer von sich aus Sozialwohnungen bauen.

Es gibt ja in Bonn auch kein Problem mit Neubauten an sich. Nur mit Wohnungen, die man sich als armer Schlucker auch leisten kann.  Und leisten, die kann man sich doch sowieso nicht in den schicken Vierteln. 30 Prozent hin oder her. Vielmehr bräuchte man also eine 100-Prozent-Neubauquote für Sozialwohnungen!

Und zwar dort, wo sie dringend benötigt werden: In den sozial schwachen Gebieten. So Tannenbusch. Oder in einem neuen Viertel, etwas außerhalb, schlecht angeschlossen an den ÖPNV. Alles andere wäre ja auch Sozialismus. Wer will schon Kinder aus diesen Läusefamilien in Gronau oder am Rheinufer?

Eine starre Quote hat doch noch nie funktioniert. Was soll das schon bringen? Eine für jedes Objekt variable Quote müsste her! Sodass man im Penthouse keine, aber in der Arbeitersiedlung alle Wohnungen für Arme baut.

Klar, die Mieten sind in den letzten Jahren in Bonn nach oben geschossen. Aber wenn erst einmal der Markt an Wohnungen für die Oberschicht gesättigt ist, dann können auch die anderen in die freiwerdenden Wohnungen ziehen. Bestimmt. Und bei jedem Umzug steigen die Mieten um 10 Prozent.

Ein Ding der sozialen Gerechtigkeit

Ich meine, welcher Investor würde denn dann überhaupt noch in Bonn bauen? Wenn er in seine Bauten 30 Prozent geförderten Wohnraum reinsetzen muss?

Es wären die Investoren, die wir in Bonn brauchen. Und die mit einer solchen Quote auch leben können. Und es wäre Politik für die Bonner. Und ja, es gibt solche Quoten, in Städten wie München etwa.

Aber es wäre ja auch eine Politik der sozialen Gerechtigkeit für die Bonner, wie sie von der Ratsmehrheit aus CDU, Grüne und FDP offenbar nicht zu erwarten ist. Denn für sie gibt es offenbar auch jetzt noch immer kein Problem mit fehlendem bezahlbaren Wohnraum in Bonn.

Und wer jetzt mit einem Koalitionszwang auf Kommunaleben argumentiert, der hat nicht verstanden, was Kommunalpolitik bedeutet.