Bonn – Heute gibt es im General-Anzeiger Bonn einen verschwurbelten Artikel zum Thema Radfahren in Bonn.  Eröffnet wird mit einem Radfahrer, der offensichtlich von einem einbiegenden Auto am Suttnerplatz von den Pedalen geholt wurde, nur um anschließend darauf hinzuweisen, dass Radler nicht vorsichtig genug fahren. Sich nicht an Regeln halten und deshalb öfters verletzt würden.

Neben der Teils berechtigten Kritik an einigen radelnden Zeitgenossen ist das Bild aber schief. Denn die gestiegene Zahl an Unfällen könnte auch einfach eine Folge der Bonner Politik sein, mit großer Kraft mehr Leute zum Radeln zu bringen. Nicht nur durch Aktionen wie Stadtradeln, sondern auch durch die Propagierung der Fahrradhauptstadt 2020.  Und wenn mehr Leute radeln, passieren auch mehr Unfälle. Besonders in einem Jahr wie 2016, dass sonniger und wärmer war.

Auf der anderen Seite aber muss man sich fragen, warum nicht endlich die Radinfrastruktur in Bonn besser ausgebaut wird, gerade angesichts der Bonner Förderung des Radverkehrs. Beispiel Fahrradschutzstreifen auf der B9 und am Suttnerplatz. Die wenigsten Autofahrer wissen, dass sie dort zu radelnden Autofahrern mindestens 1,5 bis 2 Meter Abstand halten müssen. Also ihre eigene Spur nie benutzen dürften, sondern immer auf die linke Spur ausweichen müssten oder das Vorbeifahren vermeiden sollten.

Stattdessen wird kritisiert, dass Radler, denen die Oxfordstraße zu gefährlich ist, in die Fußgängerzone ausweichen, etwa die Friedrichstraße. Jene Straße, die für Radfahrer ausdrücklich freigegeben ist und benutzt werden soll, um eine Verbindung zur Fahrradstraße Florentiusgraben und damit dem Bahnhofsbereich in Bonn zu ermöglichen. Jetzt stören die Radler, weil sie auch vorankommen wollen und nicht Schrittgeschwindigkeit fahren?

Wer selbst regelmäßig auf der B9, Kennedybrücke und Brückenköpfe  oder über den Suttnerplatz radelt, weiß ob der Gefahr. Doch getan wird daran nichts.

Bonn propagiert gerne seine Fahrradhauptstadt 2020 und das Radfahren. Doch wenn noch mehr Leute aufs Rad umsteigen, ohne dass die Situation verbessert wird, sind weiter Tote und Verletzte die Folge.

Weder gibt es aktuell ein Konzept für eine bessere Radfahrinnenstadt. Noch immer kann man nicht ohne große Umwege aus der Weststadt zum Suttnerplatz radeln, ohne irgendwo absteigen oder durch einen Tunnel mit Gleisen und Sturzgefahr zu müssen.  Man kontrolliert an der Fußgängerunterführung, statt eine zweite nur für Radler zu bauen. Von Autofahren würde man nicht verlangen, ihr Auto 300 Meter zu schieben.

Noch werden Erkenntnisse aus anderen Städten oder Ideen umgesetzt. Stattdessen ist jeder Parkplatz heilig, und jeder Straße muss für jeden Autofahrer befahrbar sein. Statt vielleicht am Suttnerplatz eine überbreite, farblich markierte ÖPNV- und Radspur einzurichten, die von der Oxfordstraße bis zur Brücke reicht, und dafür eine Autospur zur Rechtsabbieger zu machen.

In Bonn drohen in nächster Zeit Fahrverbote, durch die seit Jahren zu hohe Feinstaubbelastung. Statt zu versuchen, die Straßen fahrradfreundlicher und noch mehr Menschen aufs Rad zu bringen, damit die, die wirklich mit dem Auto kommen müssen, es noch dürfen, wird weiterhin eine Autostadt Bonn gefeiert und um jeden Parkplatz gekämpft

Und sich darüber beklagt, dass die meisten Radfahrer sich selbst verletzen würden, weil sie so mies fahren. Statt zu fragen, warum sie so mies fahren, und was man tun kann, damit sie regelkonformer unterwegs sind. Das sind, neben Kontrollen, vor allem aber durch sicherere Straßen.

 

Anmerkungen zu zwei Polizeikontrollen

Kurios sind teils die Kontrollen der Stadt aktuell. So wurde erst kürzlich am Martinsplatz ein Radler mit einem Bußgeld bedacht, weil er geradeaus zum Neutor radeln wollte- und sich dabei nicht an die Fußgängerampel gehalten habe. Was er ja auch nicht muss. Dabei müsste doch die Polizei am Besten um die aktuell ungeklärte Regelung für Radfahrer an Ampeln wissen, die die letzte Gesetzesnovelle gebracht hat.  

Und am Markt werden aktuell wieder Radfahrer zurecht verstärkt zur Kasse gebeten. Autofahrer, die zur gleichen nachmittäglichen Urzeit durch die Fußgängerzonen kurven, da kneift man offenbar gerne ein Auge zu.

Foto: Pixabay CC 0 / VolkerSchnaebele