Bonn – Schlau Parken soll man mit der neuen App, die die Telekom gemeinsam mit den SWB und der Stadt 2018 an den Start bringt. Diese soll, kurz gefasst, einen freien von vorerst 2200 umgerüsteten Parkplätzen anzeigen. Steht man drauf, kann man über die App bezahlen und sein Ticket verlängern, wenn man länger braucht.

Aus mehrfacher Hinsicht ist die App schwierig.

1.) Fahren und gleichzeitig App bedienen

Jemand der fährt, soll also von einer Autofahrer-App bei der Parkplatzsuche unterstützt werden. Er muss das Gerät also bedienen, und zwar beim Fahren. Da dass nicht unbedingt die beste Idee ist, wissen nicht nur Versicherungen. Wer sein Handy bei laufendem Motor anfasst, zahlt gewöhnlich auch ein Knöllchen.

Heißt: Wer nicht bereits zu Hause einen freien Parkplatz ausgewählt hat, was aufgrund der fehlenden Parkplatzgarantie schlechterdings möglich ist (Punkt 2) macht es während der Reise. Der Fahrer müsste sein Auto anhalten, am Besten irgendwo, wo er es darf. Und das ist legal meistens nicht dort, wo in Bonn der Verkehr fließt.

Oder er stellt sich in zweite Reihe bei abgestellten Motor, am Besten am Radstreifen, oder Gehweg, und appt kurz einen Parkplatz in der Nähe. Eine ziemlich blöde Idee.

Bevor jemand mit Sprachassistenten kommt: Wer einmal Geräte im Bekanntenkreis angefasst hat, weiß, dass viele froh sind, das Smartphone entsperren zu können.

2.) Keine Parkplatzgarantie, ungenaue Planungen

Das Problem in Bonn sind nicht zu wenig freie Parkplätze, sondern zu wenig Parkplätze in der Nähe zu dem Ort, wo die Bonner hin möchten. Von den 2200 Parkplätzen sind ein Großteil jene Parkhäuser, die bereits jetzt über Parken-Apps der Parkraumbewirtschaftung erfasst sind. Ob dort jeder einzelne freie Parkplatz gelistet ist oder nur die Gesamtzahl der freien Parkplätze, spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Denn: Da die Parkplätze vermutlich kaum exklusiv über die Bonner Parkraum-App vergeben werden, kann man sie sich auch nicht reservieren. Ansonsten müsste man die gesamte Parkraumbewirtschaftung mit Exklusivzugriff ja an die Telekom überschreiben.

Das wäre aber die einzige Möglichkeit für eine tatsächlich punktgenaue Planung, wie sie die Telekom verspricht. Denn die Plätze sind für alle frei, auch für jene, die zuerst dort sind.

Wer zudem ohne App parkt, gibt zumindest im Parkhaus, dem Haupteinsatzfeld, nicht an, wie lange er parken will. Ist der Autofahrer schließlich an “seinem” Parkplatz, kann dieser noch immer belegt sein.

Oder bereits von einem anderen Telekom-App-Parker besetzt, der eben zwei Minuten schneller war. Die Folge ist weiteres Kurven zum nächsten Parkplatz, mit nächstem Halten.

3.) Vorteil: elektronisches Ticket lösen

Den einzigen Vorteil, den es aktuell gibt, ist das bargeldlose Zahlen über eine App. Andere Städte lösen dies aber, ohne dass sie sensible Daten von Parkern an die Telekom übergeben und dort abwickeln lassen. Die Stadtwerke Arnsberg lösen das per SMS.

4.) Nachteil Datenkrake

Denn: Wo sie genau wie lange hielten, ob ein Nebenparker just in dem Moment beschädigt wurde, als sie auch dort parkten, wo sie mit ihrem Auto entlang fuhren, wo sie wohnen: Alles Daten, die an die Betreiber weiterleiten müssen, damit die Technik funktioniert.

5.) Mit dem Auto in die Stadt: Überholt

Anstatt verkehrstechnisch in der Bonner Innenstadt neue Wege zu gehen, will man krampfhaft ein System am Leben halten, dass kaum zu verbessern ist: Denn natürlich wissen die Autofahrer, dass in der Stiftsgarage (die in der App gar nicht auftauchen wird, da privat betrieben) und Beethovengarage meist immer noch ein Platz frei ist. Dennoch fahren sie lieber in die Münsterplatz- oder, wenn wieder geöffnet, Marktgarage.

Daran wird auch eine App nichts ändern, die einem das ein weiteres Mal erklärt. Man wird sich dennoch auf den letzten freien Parkplatz in der Innenstadt stürzen, gemeinsam mit anderen Hundert App-Nutzern.

Fazit: Parken raus aus der Innenstadt

Vielleicht sollte man endlich über ein überarbeitetes Parkraumkonzept nachdenken. Mit drei, vier dezentralen Großparkhäusern und zehnminütige Shuttlebusse, wie es in anderen Kommunen üblich ist und sich dort bewährt.

In Bonn wird ein System entwickelt, wie es andere bereits getan haben, um den boomenden smart-parking Markt auszubeuten. Bielefeld, Bergheim und Berlin setzen abgespeckt auf smartparking. Jetzt springt die Telekom mit auf den Zug.

Bonn erhält dafür ein App- und IoT-netzwerkgestütztes Parkleitsystem. Die Zukunft des Parkens ist dies aber keineswegs, eine frustfreie Erleichterung für den Fahrer, der neben dem Fahren auch noch eine App bedienen muss, nur um weiterhin keinen freien Parkplatz in der Innenstadt zu finden, auch nicht. Man kann nur hoffen, dass sich Bonn die Herausgabe der Daten und die Zahl-Abwicklung finanziell gut bezahlen lässt und nicht eine Ticket-Gebühr an die Telekom abführt.

Es wäre Zeit, in Bonn Einkaufen, Parken, Wohnen und Leben verkehrstechnisch neu zu denken. Nicht nur kurzfristig angesichts der drohenden Fahrverbote, sondern auch mittelfristig neu.